Reisebericht Rundreise Südnorwegen
Nordwärts von Oslo über Sognefjord und Westkap nach Kristiansund
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Fotoserie
Die besten Fotolocations in Norwegen in der Region Vestland mit Fototipps, GPS-Daten, Infos zu Sonnenstand und Lichtverhältnissen
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Unsere vierwöchige Autorundreise durch Fjordnorwegen war das Highlight des Jahres. Schon an Weihnachten begannen wir mit der Planung. Mit jeder durchdachten Route und jedem neuen Ziel wuchs die Vorfreude. Einige Regionen kannten wir bereits von einer früheren Reise. Doch diesmal wollten wir sie intensiver erleben. Damals hatten wir nur drei Wochen Zeit und mussten manche Orte auslassen oder nur flüchtig besuchen. Dieses Mal ließen wir uns treiben. Wir nahmen uns mehr Zeit für spontane Entdeckungen und längere Aufenthalte an besonderen Plätzen.
Rückblickend war diese Reise ein beeindruckendes Erlebnis. Das Wetter im Mai und Juni zeigte sich von seiner besten Seite. Klare Luft, leuchtendes Grün und faszinierende Lichtstimmungen ließen Fotografenherzen höherschlagen. Die Weite der Landschaft, die unberührte Natur und das Gefühl absoluter Freiheit machten jede Etappe einzigartig.
Anreise von München über Kiel nach Oslo und weiter nach Lærdal
Unsere Reise begann in München. Mit dem Auto fuhren wir Richtung Norden nach Kiel. Dort startete unsere Überfahrt nach Norwegen. Schon Monate im Voraus hatten wir eine Passage mit der Color Line gebucht. Die Fähre war nicht nur bequem, sondern machte die Anreise selbst zum Erlebnis.
Am Nachmittag verließ das Schiff den Hafen. Noch lange blieben Küste und Horizont sichtbar, bis sie mit der untergehenden Sonne verschmolzen. Die Überfahrt markierte den perfekten Übergang in ein neues Abenteuer, mit dem beruhigenden Rhythmus der Wellen und der Vorfreude auf Norwegen am nächsten Morgen.
Nach der Ankunft in Oslo folgten wir der Europastraße E16 in nordwestlicher Richtung. Nur wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt änderte sich die Landschaft. Dichte Wälder, weite Täler und glitzernde Seen begleiteten unseren Weg. Der Anstieg zum Filefjell brachte eine deutliche Wende. Karge Hochflächen, zerklüftete Felsen und spärlich bewachsene Hänge bestimmten nun das Bild.
Auf der Passhöhe in 1.013 Metern Höhe wurde die Kraft der norwegischen Natur spürbar. Vor der Abfahrt hatten wir die Straßenverhältnisse per Webcam überprüft - eine sinnvolle Entscheidung. Die benachbarten Strecken E7 und E52 waren noch von Eis und Schnee bedeckt.
Das Vorankommen war trotz der Weite der Landschaft langsam. Viele kleine Orte entlang der Route sorgten für Tempolimits von 60 km/h. Doch das hatte auch Vorteile. Wir konnten die Umgebung bewusst wahrnehmen. Tief eingeschnittene Flusstäler, Wasserfälle, die aus großer Höhe stürzten, und Berghänge mit den letzten Schneefeldern des Frühlings begleiteten uns.
Am Abend erreichten wir Lærdal. Die kleine Gemeinde liegt an einem der östlichen Seitenarme des Sognefjords. Steile Berghänge rahmen den Ort ein, die Luft wirkte hier noch klarer. Die Lage an der E16 machte Lærdal zu einer idealen Basis für die kommenden Tage. Von hier aus gab es direkte Verbindungen nach Bergen und weiter in den Norden.
Neben der beeindruckenden Natur bot der Ort auch ein Stück norwegischer Geschichte. Der historische Ortskern mit seinen gut erhaltenen Holzhäusern ließ uns in vergangene Zeiten eintauchen. Ein weiteres Highlight war der Lærdalstunnel, mit 24,5 Kilometern einer der längsten Straßentunnel der Welt.
Region Sognefjord - Naturgewalten und spektakuläre Fjorde
Der Sognefjord reicht 204 Kilometer tief ins Landesinnere. Mit 1.308 Metern ist er der tiefste Fjord Norwegens. Gewaltige Wasserflächen treffen auf steile Berghänge, aus denen unzählige Wasserfälle stürzen. Seit Jahrtausenden formt das Zusammenspiel aus Gletschern, Wasser und Stein diese Landschaft. Jede Wetterlage verleiht ihr eine eigene Stimmung. Besonders morgens, wenn Nebelschwaden über dem Wasser treiben und die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel berühren, entfaltet sich eine einzigartige Atmosphäre.
Zu den bekanntesten Seitenarmen gehört der Aurlandsfjord. Durch seine gute Erreichbarkeit und touristische Infrastruktur eignet er sich ideal für Entdeckungen. Noch spektakulärer ist der Nærøyfjord. Dieser schmale, fast mystisch wirkende Fjordarm wird von steilen Felswänden eingerahmt. Aufgrund seiner Ursprünglichkeit gehört er seit 2005 gemeinsam mit dem Geirangerfjord zum UNESCO-Weltnaturerbe.
Von Lærdal führt die Europastraße E16 direkt durch den 26 Kilometer langen Lærdalstunnel, einer der längsten Straßentunnel der Welt. Er verbindet das Hochland mit den touristischen Highlights rund um den Aurlandsfjord. Auch Flåm und Gudvangen sind über diese Route schnell erreichbar. In Gudvangen startet eine der beeindruckendsten Fährfahrten Norwegens. Die Strecke durch den Nærøyfjord führt mitten durch das UNESCO-Weltnaturerbe und bietet spektakuläre Ausblicke.
Alternative
Eine eindrucksvolle Alternative ist die Hochgebirgsstraße von Lærdal nach Aurland. Sie führt 45 Kilometer durch das Horndalen, über eine raue Hochebene und passiert den berühmten Aussichtspunkt Stegastein. Auf 650 Meter Höhe eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf den Aurlandsfjord. Besonders bei klarem Wetter ist dies ein perfekter Ort für Fotografen. Die Straße ist allerdings nur von Anfang Juni bis Mitte Oktober befahrbar. In den Wintermonaten blockieren Schnee und Eis die Strecke.
Fjærlandsfjord und Innvikfjord – Eine Route voller Naturwunder
Für die Weiterfahrt nach Stryn am Innvikfjord planten wir einen ganzen Tag ein. Entlang der Strecke lagen zu viele landschaftliche Höhepunkte, um einfach daran vorbeizufahren. Schon kurz nach Sogndal eröffnete sich mit dem Fjærlandsfjord ein erstes beeindruckendes Panorama. Tiefblaues Wasser, steile Berghänge, dichte Wälder und vereinzelt liegende Höfe prägten das Bild.
Unsere Route führte uns weiter zum Gletscherarm Bøyabreen. Gewaltige Eismassen türmten sich vor uns auf, bevor wir unter dem Gletscher hindurch in einen Tunnel fuhren. Wenig später passierten wir den langgestreckten Kjøsnesfjord. Markante Bergkämme rahmten seine Wasserfläche ein.
Ab dem kleinen Ort Skei folgten wir der E39 nach Norden. Die Straße schlängelte sich durch das malerische Vatedalen. Breite Flusslandschaften begleiteten uns bis Byrkjelo, wo wir auf die Fv60 abbogen. In engen Serpentinen kletterte die Straße hinauf zum 630 Meter hohen Utvikfjellet. Oben bot sich ein spektakulärer Blick über das Tal Vatedalen bis hinunter nach Byrkjelo. Die letzte Etappe führte entlang des Innvikfjords. Tiefe Buchten und grüne Wiesen säumten den Weg.
Schließlich erreichten wir Stryn, unseren Ausgangspunkt für die nächsten Tage. Seine Lage am östlichen Ende des Fjords machte ihn zur idealen Basis für Naturausflüge. Besonders reizvoll: der türkisfarbene Lovatnet-See bei Loen und der spiegelglatte Oldevatnet-See.
UNESCO-Weltnaturerbe Geirangerfjord
Ein Norwegenurlaub wäre nicht vollständig ohne eine Fahrt durch den Geirangerfjord. Der beste Ausgangspunkt ist Hellesylt, etwa 50 Kilometer Fahrstrecke von Stryn entfernt. Von hier verkehren Autofähren im Frühjahr alle drei Stunden, im Sommer noch häufiger. Die Überfahrt nach Geiranger dauert rund 75 Minuten und gehört zu den spektakulärsten Fjorderlebnissen des Landes.
Geiranger ist ein beliebter Haltepunkt für Kreuzfahrtschiffe und die berühmten Postschiffe der Hurtigruten. Neben einer Touristinformation gibt es zahlreiche Restaurants, Souvenirläden und Cafés.
Doch das wahre Highlight bleibt die Natur. Steile Berghänge, die Wasserfälle der "Sieben Schwestern" und die ursprüngliche Schönheit des Fjords machen die Fahrt unvergesslich - besonders morgens, wenn Nebel in den Tälern hängt.
Nordfjord und Westkap – Von den Fjorden zur offenen Küste
Nach intensiven Tagen in den tief eingeschnittenen Fjorden setzten wir unsere Reise Richtung Nordfjord fort. Die etwa 150 Kilometer lange Strecke war gut ausgebaut. Sanfte Täler, tiefblaue Wasserflächen und schroffe Berghänge wechselten sich ab.
Um den Fischerort Måløy auf der Insel Vågsøy zu erreichen, überquerten wir die 1.224 Meter lange Måløybrücke. Von hier bot sich ein weiter Blick über den Ulvesund, dessen Wasser im Sonnenlicht glitzerte. Måløy ist einer der wichtigsten Fischereihäfen Norwegens. Seit jeher bestimmt das Meer den Rhythmus des Lebens. Fischerboote schaukelten in der Hafenbucht, während in der Ferne die Kräne der Werften in den Himmel ragten. Hier blieben wir zwei Nächte - perfekt, um die Küstenlandschaft zu erkunden.
Für die kommenden Tage war ein Wetterumschwung angekündigt. Also nutzten wir das sonnige Wetter für einen Abstecher zur Küste. Unser Ziel: Der einzigartige Sandstrand Refviksanden.
Der 1,5 Kilometer lange Sandstrand Refviksanden gilt als einer der schönsten Strände Norwegens. Nach den dunklen Felswänden der Fjorde überraschte uns hier eine offene, weite Bucht. Strahlend weißer Sand, türkisfarbenes Wasser und grasbewachsene Dünen schufen einen starken Kontrast zu den vergangenen Tagen.
Nach einem Spaziergang entlang der Uferlinie folgten wir der R617 nach Nordwesten. Die Straße schlängelte sich an den Hängen entlang und gab immer wieder spektakuläre Blicke auf die zerklüftete Küste frei.
Nördlich von Måløy lohnt es sich, den Abend an der Steilküste bei Oppedal zu verbringen. Besonders bei Sonnenuntergang entfaltet die Landschaft eine fast mystische Atmosphäre. Das Licht taucht die Felsen in warme Rottöne, während die Wellen silbrig glitzern.
Ein weiteres Naturwunder ist der Kannestein. Über Jahrtausende formten Wind und Wasser diesen Felsen zu einer surreal wirkenden Skulptur. Er steht auf einem schmalen Fuß, als wäre er absichtlich aufgestellt worden. Besonders in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden bietet er eindrucksvolle Fotomotive.
Weiterfahrt nach Ålesund
Unsere Route führte uns auf der Fv61 von Måløy nach Ålesund. Die Strecke war gut zu fahren und rund 134 Kilometer lang. Dennoch war eine durchdachte Zeitplanung erforderlich, da wir zwei Autofähren nutzen mussten. Besonders die erste Überfahrt wollten wir vor der einstündigen Mittagspause hinter uns bringen, um Wartezeiten zu vermeiden.
Die 20-minütige Überfahrt von Koparnes nach Årvik bot eine weite Sicht auf die Mündung des Syvdsfjords in den Rovdefjord. Bei ruhigem Wasser spiegelten sich die steilen Berghänge der Skåranipa (971 m) in der Fjordoberfläche. Ein Moment, der die raue Schönheit dieser Küstenlandschaft eindrucksvoll zur Geltung brachte. In Årvik legten wir eine Pause ein und nutzten die Zeit für Panoramaaufnahmen der umliegenden Fjorde und Berge.
Vertieft in die Aufnahmen gerieten wir in Zeitverzug und mussten uns sputen, um die nächste Fähre in Hareid rechtzeitig zu erreichen. Nach der Überfahrt setzten wir unsere Fahrt auf der Fv61 fort. Wir passierten die Mündung des Storfjords und des Hjørundfjords.
Am Fährhafen Solavågen legten wir einen kurzen Stopp ein. Die Lage direkt am Wasser bot ideale Fotomotive mit den tief eingeschnittenen Fjorden im Hintergrund.
Den folgenden Tag nutzten wir für einen Stadtbummel in Ålesund, das für seine einzigartige Jugendstilarchitektur bekannt ist. Nach dem verheerenden Großbrand von 1904 wurde die Stadt fast vollständig im Jugendstil wieder aufgebaut. Namhafte Architekten aus ganz Europa beteiligten sich am Wiederaufbau. So entstand ein geschlossenes architektonisches Ensemble, das heute als eines der schönsten Beispiele dieser Epoche in Norwegen gilt.
Ein Höhepunkt des Tages war der Besuch des Stadtbergs Aksla. Von dort bot sich ein eindrucksvolles Panorama auf Ålesund, die vorgelagerten Inseln und die zerklüftete Küstenlandschaft. Ein perfekter Ort für weitläufige Landschaftsaufnahmen.
Auf der Atlantikstraße nach Kristiansund
Mit dieser Tagesetappe erreichten wir den nördlichsten Punkt unserer Rundreise. Auf dem Weg von Ålesund in Richtung Kristiansund endete unsere Fahrt in dieser Region, denn ab hier ging es für uns auf der Hurtigruten wieder südwärts nach Bergen. Um 15:30 Uhr mussten wir spätestens am Hafen sein, um an Bord des Schiffs einzuchecken, weshalb unser Zeitplan straff getaktet war.
Von Ålesund aus fuhren wir über die E39 zum Fährhafen Vestnes. Während der Überfahrt nach Molde bot sich ein Blick auf die dramatische Kulisse der Romsdalsalpen. Zerklüftete Gipfel ragten in den Himmel, deren Spitzen noch unter Schneeresten verborgen waren. Nach der Ankunft in Molde setzten wir unsere Route in Richtung Atlantikküste fort. Dort erwartete uns einer der berühmtesten Straßenabschnitte Norwegens.
Die Atlantikstraße bot ein eindrucksvolles Wechselspiel aus Fels, Meer und Wind. Acht Brücken verbanden die Inseln miteinander. Die raue Küstenlandschaft eröffnete immer wieder neue Perspektiven. Die Storseisund-Brücke, mit ihrer geschwungenen Form, wirkte aus der Ferne fast surreal.
In Kristiansund angekommen, klarte der Himmel langsam auf. Die bunten Häuser der Stadt spiegelten sich in den Hafenbecken. Fischerboote schwankten träge auf den Wellen. Wir nutzten die verbleibende Zeit für einen kurzen Spaziergang. Gegen Abend kam unser Schiff in Sicht.
Pünktlich lief die MS Vesterålen ein. Ihr weißer Rumpf leuchtete im letzten Tageslicht. Ein kurzer Blick zurück auf Kristiansund, dann legten wir ab. Die raue Küstenlandschaft wich langsam der offenen See. Mit der Hurtigruten begann eine neue Etappe unserer Reise.